Hypnose bei Schmerzen
Studienlage: gut belegt
Schmerz entsteht im Gehirn, auch wenn er im Rücken oder im Bauch sitzt. Deshalb lässt er sich über Aufmerksamkeit beeinflussen. Kein anderes Einsatzgebiet der Hypnose ist so gut untersucht.
Warum Hypnose bei Schmerz wirkt
Jeder kennt das: Beim Fußballspielen bemerkt man eine Schramme erst in der Halbzeit. In Angst dagegen tut der gleiche Reiz stärker weh. Schmerz hat einen körperlichen und einen bewertenden Anteil. Studien mit bildgebenden Verfahren zeigen, dass Hypnose vor allem diesen zweiten Anteil verändert: wie unangenehm ein Schmerz empfunden wird und wie sehr er die Aufmerksamkeit beherrscht.
Bei Eingriffen und beim Zahnarzt
In einigen Kliniken werden kleinere Operationen unter Hypnose mit örtlicher Betäubung durchgeführt. Patienten brauchen dann oft weniger Beruhigungs- und Schmerzmittel. In Zahnarztpraxen hilft Hypnose vor allem gegen die Angst vor der Behandlung, die ihrerseits Schmerzen verstärkt. Für Zahnärzte gibt es eigene Fachgesellschaften und Fortbildungen.
Bei chronischen Schmerzen
Übersichtsarbeiten finden bei chronischen Schmerzen, etwa Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Fibromyalgie, im Mittel mäßige Verbesserungen. Hypnose ersetzt dabei keine Schmerztherapie, ist aber ein sinnvoller Baustein in einem Gesamtkonzept aus Bewegung, Psychotherapie und Medikamenten. Ein Vorteil: Wer Selbsthypnose lernt, hat ein Werkzeug, das er jederzeit selbst einsetzen kann.
Typische Bilder in der Schmerzhypnose sind ein Regler, den man herunterdreht, eine Farbe, die blasser wird, oder ein Abstand, der wächst. Welches Bild passt, entscheidet die Person selbst.
Beim Reizdarm
Beim Reizdarmsyndrom ist die Datenlage besonders gut. Die deutsche Leitlinie nennt die darmgerichtete Hypnose als Behandlungsmöglichkeit. Dabei wird über mehrere Sitzungen mit Vorstellungen gearbeitet, die den Bauch beruhigen, zum Beispiel ein ruhig fließender Fluss oder eine wärmende Hand. Viele Betroffene profitieren auch langfristig.
Ein Blick auf die Psychosomatik
Beschwerden wie Spannungskopfschmerz, Magenprobleme oder Verspannungen im Nacken haben oft einen seelischen Anteil. Das heißt nicht, dass man sie sich einbildet. Es heißt, dass Stress über Nerven und Hormone im Körper wirkt. Hier kann Hypnose helfen, den Zusammenhang zu spüren und den Körper bewusst zu entlasten. Auch die Entspannungsverfahren setzen hier an.
Neue oder sich verändernde Schmerzen gehören immer zuerst in ärztliche Hände. Hypnose kann Schmerzen dämpfen, die auf eine behandelbare Ursache hinweisen.
Kopfschmerz und Migräne
Bei Spannungskopfschmerzen und Migräne werden Entspannungsverfahren und Biofeedback in Leitlinien als nichtmedikamentöse Maßnahmen genannt. Hypnose wird ähnlich eingesetzt, die Datenlage ist hier aber schwächer. Wer häufig Kopfschmerzen hat, sollte zuerst einen Kopfschmerzkalender führen und die Ursachen abklären lassen. Auch zu häufige Schmerzmittel können selbst Kopfschmerzen auslösen.
Schmerz bei Kindern
Bei Kindern ist Hypnose im medizinischen Alltag besonders hilfreich, etwa bei Blutabnahmen, beim Legen von Zugängen oder bei Bauchschmerzen ohne körperliche Ursache. Kinder lassen sich leicht in Geschichten mitnehmen. Eine Reise zum Lieblingsort oder ein Zauberhandschuh, der die Hand taub macht, kann den Schmerz spürbar verringern. In vielen Kinderkliniken gehören solche Techniken inzwischen zum Handwerkszeug von Pflege und Ärzten.
Was Sie erwarten können
Realistisch ist eine spürbare Linderung, mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Schmerz und weniger Bedarf an Medikamenten. Unrealistisch ist ein Schmerz, der nach einer Sitzung dauerhaft verschwunden ist. Über den typischen Ablauf informiert die Seite Ablauf und Kosten.