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Therapie mit Hypnoseunabhängig informiert, keine Praxis

Geschichte der Hypnose

Aktualisiert am 3 Minuten Lesezeit

Die Geschichte der Hypnose ist eine Geschichte von Irrtümern, die sich als nützlich erwiesen. Sie beginnt mit einer falschen Theorie über Magnetismus und endet in Kliniken und Zahnarztpraxen.

Gemälde: Ein Arzt stellt vor Zuhörern eine Patientin vor, die in Trance zurücksinkt
André Brouillet: Une leçon clinique à la Salpêtrière (1887), gemeinfrei, via Wikimedia Commons
1774Mesmer1784Kommission Paris1843Braid1882Charcot / Nancy1932Autogenes Trainingab 1950Erickson2006Beirat erkennt an

Mesmer und das magnetische Fluidum

Der Arzt Franz Anton Mesmer (1734–1815) glaubte, im Körper fließe eine unsichtbare Kraft, die er tierischen Magnetismus nannte. Krankheit sei eine Störung dieses Flusses. In Wien und später in Paris behandelte er Patienten mit Magneten, Handbewegungen und einem Bottich, um den sich die Kranken setzten. Viele berichteten von Anfällen und anschließender Besserung. 1784 untersuchte eine königliche Kommission in Paris, der auch Benjamin Franklin und Antoine Lavoisier angehörten, seine Methode. Ihr Ergebnis: Ein Fluidum gibt es nicht, die Wirkungen gehen auf die Einbildungskraft zurück. Rückblickend war das die erste wissenschaftliche Beschreibung von Suggestion.

Porträt von Franz Anton Mesmer mit gepuderter Perücke
Franz Anton Mesmer, Porträt eines unbekannten Künstlers, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Braid gibt der Sache einen Namen

Der schottische Chirurg James Braid (1795–1860) sah in den 1840er-Jahren Vorführungen eines Magnetiseurs und war überzeugt, dass kein Magnetismus im Spiel war. Er ließ Menschen einen glänzenden Gegenstand fixieren und erzeugte so ähnliche Zustände. Er sprach von Neurohypnotismus, später setzte sich das kürzere Wort Hypnose durch. Braid verstand die Trance als Folge gebündelter Aufmerksamkeit, eine Sicht, die heute wieder sehr modern wirkt.

Paris gegen Nancy

Im späten 19. Jahrhundert stritten zwei französische Schulen. An der Pariser Salpêtrière hielt der Neurologe Jean-Martin Charcot Hypnotisierbarkeit für ein Zeichen von Hysterie, also von Krankheit. In Nancy vertraten Ambroise-Auguste Liébeault und Hippolyte Bernheim die Gegenposition: Suggestibilität sei eine normale menschliche Eigenschaft. Nancy behielt recht. Sigmund Freud lernte bei beiden und arbeitete zunächst mit Hypnose, wandte sich dann aber der freien Assoziation zu.

Erickson und die moderne Hypnotherapie

Im 20. Jahrhundert prägte der amerikanische Psychiater Milton H. Erickson (1901–1980) eine neue Art zu arbeiten. Statt Befehle zu geben, nutzte er Geschichten, Andeutungen und die Sprache seiner Patienten. Die Trance verstand er als Zustand, in dem Menschen eigene Lösungen finden. Viele heutige Ausbildungen in Deutschland bauen auf seinen Ideen auf.

Rückschläge und Missbrauch

Die Geschichte der Hypnose ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Immer wieder wurde sie für fragwürdige Zwecke genutzt, auf Jahrmärkten, in Sekten oder in den sogenannten Rückführungen in frühere Leben. In den 1980er- und 1990er-Jahren führten in den USA Befragungen unter Hypnose zu Erinnerungen an Missbrauch, die sich später als nicht haltbar erwiesen. Diese Fälle haben die Forschung zu falschen Erinnerungen stark vorangebracht. Heute gilt in der seriösen Hypnotherapie die Regel, nicht nach verdrängten Ereignissen zu suchen.

Was geblieben ist

Von Mesmer ist die Erkenntnis geblieben, dass Erwartung den Körper verändert, die Grundlage des heutigen Wissens über den Placeboeffekt. Von Braid stammt die Sicht der Trance als Aufmerksamkeitszustand. Von der Schule in Nancy die Idee, dass Suggestibilität etwas ganz Normales ist. Und von Erickson der respektvolle Umgang mit der Person in Trance, die nicht beherrscht, sondern begleitet wird.

In der Medizin angekommen

Parallel entstanden Verfahren, die aus der Hypnose abgeleitet sind. Der Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz entwickelte daraus das autogene Training. Seit einigen Jahrzehnten wird Hypnose in Kliniken bei Eingriffen eingesetzt, in Zahnarztpraxen gegen Behandlungsangst und in der Psychosomatik. 2006 stufte der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Hypnotherapie für bestimmte Anwendungsbereiche als wissenschaftlich anerkannt ein. Was davon heute belegt ist, steht bei den Anwendungsgebieten.

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